Interview

Wie seid Ihr auf die Idee gekommen, einen Verlag zu gründen?

Ein eigener Verlag bedeutet für uns, einen Raum zu haben, in dem wir eigene Ideen und Geschichten testen und entwickeln können und der Kreativität freien Lauf zu lassen. Illustrie ist somit ein Gegenstück zu unserem Illustratoren-Beruf, bei dem wir ausschließlich die Ideen Anderer umsetzen. Hier können wir selbst entscheiden, was, wann und wie wir etwas erzählen – die totale Freiheit für die Fantasie! Einen eigenen Verlag zu gründen war nötig, weil wir nicht wussten, wohin mit all unseren Ideen. Vor allem waren es so viele unterschiedliche Ideen, die für alles mögliche zu gebrauchen waren – nicht nur für ein Buch, sondern für ein ganzes Programm.

Hättet Ihr Eure Ideen nicht einem anderen Verlag anbieten können?

Es gibt mehrere Gründe, weswegen wir uns für einen eigenen Verlag entschieden haben: Zum einen natürlich unsere o.g. Freiheit und Ideenvielfalt und dann steht man während man für einen Verlag arbeitet bei der Produktion immer unter Beeinflussung. Die meisten Verlage stehen unter großem Druck, dass ihre Projekte kommerziell erfolgreich sein müssen, denn oftmals sind die Verlage Teil eines großen Konzerns – und da zählt die Bilanz manchmal mehr als die Kreativität. Also stellen wir unsere Projekte erst einmal weitestgehend fertig, lassen die Geschichte sich so entwickeln, wie „sie“ es möchte und entscheiden dann, ob wir sie selbst vertreiben (z.B. via Appstore) oder ob in einem zweiten Schritt eine Kooperation (z.B. mit einem anderen Verlag) sinnvoll ist. Denn nur weil die Geschichte unabhängige Wurzeln hat, bedeutet das ja nicht, dass ihr der kommerzielle Erfolg verwehrt bleiben muss ;) Aber die Möglichkeit, einen eigenen Vertrieb aufzubauen, haben wir nicht und so werden wir bestimmt in nächster Zeit auf die Suche nach geeigneten Partnern gehen. Das macht natürlich aber erst Sinn, wenn man schon abgeschlossene Projekte hat, die man anbieten kann – und das sind bei uns momentan noch nicht so viele.

Was unterscheidet Illustrie von anderen Verlagen?

Illustrie ist kein klassischer Verlag, der nur Bücher herausgibt. Zwar geht es auch uns darum, Geschichten zu erzählen, aber nicht notwendiger Weise als Buch – als Trägermedium für eine Geschichte könnte eine Tasse genauso funktionieren. Als Illustratoren kommunizieren wir unsere Ideen und Geschichten in erster Linie visuell, die reine Textform kommt also nicht vor. So gibt es bei uns Geschichten mit Bildern, Comics und Geschichtenbilder. Für uns ist Zeichnen gleichbedeutend mit Erzählen.

Wie entsteht Euer Verlagsprogramm?

Wir arbeiten immer an mehreren Projekten gleichzeitig. Das zögert den Abschluss der Projekte zwar hinaus, uns die Abwechslung der Arbeit aber wichtiger. Zudem sind uns alle Projekte gleich lieb. Außerdem ist die Kreativität selbst nicht einfach zu kontrollieren – manchmal hapert es bei einem Projekt an Ideen, dann wechselt man die Geschichte und gewinnt so Abstand. Dadurch geht es dann meist irgendwann von allein weiter – auch Ideen brauchen Zeit.

Könnt Ihr von Eurem Verlag leben?

Nein, wir leben davon, dass wir als Illustratoren gebucht werden und zeichnen hauptberuflich für Unternehmen, Werbeagenturen und andere Verlage.

Was macht Ihr alles selbst?

Wir entwickeln die Ideen, schreiben und illustrieren die Geschichten. Außerdem bereiten wir das „Drumherum“ der Geschichten auf, d.h. wir designen die Umgebung der Geschichten (vom Cover bis zum Anzeigenmotiv), fotografieren die fertigen Produkte und schreiben Klappen- und Pressetexte. Und wir kümmern uns um die Kommunikation mit den Lesern per Newsletter, Blog, auf Facebook und Twitter. Programmierung, Lektorat und Herstellung geben wir extern in Auftrag.

Nehmt Ihr auch Geschichten von anderen Autoren und Zeichnern auf?

Zur Zeit ist Illustrie noch ein reines Selfpublishing-Format, aber wir hoffen, dass wir eines Tages in der Lage sein werden, auch andere Autoren und Illustratoren zu verlegen. Das wird allerdings wohl noch ein paar Jahre dauern. Was wir momentan tun, ist Anregungen von unseren Lesern umzusetzen. Wenn ein Vorschlag von einem Leser zu einem unserer Projekte passt, dann wird dieser mit gezeichnet. Insofern sind wir hier wohl doch nicht ganz frei von Fremdeinfluss … :)

(Hamburg, März 2013)